Ernährung

Meerschweinchen sind ursprünglich Weidetiere, die sich hauptsächlich von Gräsern, Kräutern und Blättern ernähren. Ihr Verdauungssystem hat einige Besonderheiten, die jeder Meerschweinchenhalter kennen sollte, um bei der Fütterung keine schwerwiegenden Fehler zu machen:
 

Wie ihre wilden Vorfahren sind auch unsere Hausmeerschweinchen reine Pflanzenfresser. In ihrem Darm befinden sich Mikroorganismen, die ihnen helfen, nährstoffarme Nahrung optimal auszunutzen, Eine Störung dieser Darmflora kann tödliche Folgen haben. Ihre Funktion ist von einer ausgeglichenen Ernährung abhängig. Besonders wichtig ist ein hoher Rohfasergehalt der Nahrung (mind. 15%). Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle: Meerschweinchen müssen beliebig oft fressen können, weil ihr Verdauungssystem einen steten Futternachschub erfordert. Die Magenwand dieser Tiere enthält nur wenig Muskulatur. Dadurch kann das Futter nicht aktiv in den Darm gepresst werden. Es wird durch ständige Nahrungsaufnahme weiter in den Darm geschoben. Über den Tag und die Nacht hinweg verteilen sich ca. 60 bis 80 kleine Mahlzeiten, die oft nur aus einigen Bissen von Grünem oder Heu bestehen. Es ist also wichtig, dass Meerschweinchen stets etwas zum Fressen zur Verfügung haben. Das sollte am besten Heu sein, welches immer in ausreichender Menge und frisch zur Verfügung stehen sollte. Füttern sollte man mindestens zwei Mal täglich, wenn möglich öfter, und man sollte versuchen, eine gewisse Regelmäßigkeit einzuhalten. Es versteht sich von selbst, dass das Futter immer einwandfrei sein muss, d.h. es darf weder schimmelig noch angefault sein. Leicht verderbliches Futter oder verdorbene Futterreste sollten aus dem Käfig entfernt werden. Meerschweinchen können nicht erbrechen, einmal aufgenommenes Futter muss den gesamten Verdauungskanal passieren. Da diese Passage mehrere Tage dauern kann, können unbekömmliche Futtermittel auch so lange Schaden anrichten.

Futterumstellungen  sollten langsam erfolgen, damit die Darmflora sich an ein verändertes Angebot „gewöhnen“ kann. Außerdem reagieren manche Meerschweinchen auf bestimmte Frischfuttersorten  mit Durchfall oder Blähungen, andere nicht. Auch deshalb ist es sinnvoll, eine neue Futtersorte erst in kleinen Mengen zu verabreichen, um festzustellen, ob das Tier es verträgt. Natürlich kann man die Zusammensetzung der Nahrung täglich etwas variieren, aber heute Gras, morgen Heu, übermorgen Gemüse ist für das Meerschweinchen nicht bekömmlich. „Null-Diät“, auch nur für wenige Tage ist ausgesprochen schädlich. Das bedeutet, dass ein Meerschweinchen, das z.B. wegen Krankheit die Nahrung verweigert, unbedingt zwangsernährt werden muss – natürlich nur, wenn Aussicht auf Heilung besteht. Bei verdorbenem oder stark blähenden Futter können die entstehenen Gase oft nicht so schnell abgeführt werden, wie sie entstehen. Es kommt also zu großen Gasansammlungen im Darm. Durch den starken Druck kann die Darmwand einreißen. Blähungen sind bei Meerschweinchen nicht nur unangenehm, sondern können leicht lebensgefährlich werden. Deshalb sollte man stark blähendes Futter entweder gar nicht (z.B. Rot- und Weißkohl) oder nur in ganz geringen Mengen (andere Kohlarten, Klee) füttern.

Wie bei allen Nagetieren wachsen beim Meerschweinchen die Zähne ständig nach und müssen entsprechend durch die Nahrung abgenutzt werden. Das gilt sowohl für die Schneide- als auch für die Backenzähne. Entgegen weit verbreiteter Meinung ist die Härte der Nahrung für den Abrieb nicht so entscheidend wie die Häufigkeit  der Bewegungen. Auch aus diesem Grunde ist es wichtig, dass ein Meerschweinchen ständig energiearme Nahrung (Heu) zur Verfügung hat, an dem es nach Belieben herumknabbern kann, ohne dabei zu verfetten. Neben  der Nahrungsaufnahme wird hierdurch auch das natürliche Beschäftigungsbedürfnis befriedigt. Energiereiche Nahrung (Kraftfutter) aber auch rohfaserarme, bei den Tieren jedoch sehr beliebte Futtersorten (Salat, Gurke) sollten nur in solchen Mengen angeboten werden, dass die Tiere sich hieran nicht satt fressen, sondern noch genügend Heu zu sich nehmen. Ansonsten können sich die Zähne nicht genügend abreiben, es kommt zu Zahnproblemen (siehe auch Krankheiten).

Grundsätzlich ist eine vielseitige Ernährung wichtig, um Mangelerscheinungen und damit eventuell auftretenden Krankeiten vorzubeugen. Zu den ganz speziellen Bedürfnissen der Meerschweinchen kommt noch die Eigenart eines jeden Tieres, was es mag oder nicht.

Wieviel ein Tier fressen darf und muss, ist sehr von Größe, Bewegungsverhalten und z.B Trächtigkeit abgängig. Das Gewicht der Meerschweinchen variiert je nach Größe von 900 bis 1400 g, und so gibt es keine genauen Daten, ab wann ein Tier zu dünn oder dick ist. Es sollte sich weder knochig noch wabbelig anfühlen, sondern fest und muskulös.

Heu und Kräuter

Ein gutes Heu ist die Basis der Meerschweinchenernährung und muss dem Tier ständig zur Verfügung stehen. Es sollte frisch riechen, eine dunkelolivgrüne Farbe haben, nicht zu weich und mehrere Zentimeter lang sein. Riecht das Heu modrig-schimmelig solltes es auf keinen Fall verfüttert werden. Positiv ist auch ein Anteil von Kräutern im Heu. Einseitiges Heu, das nur Gras enthält, kann dadurch aufgewertet werden, dass man zusätzlich getrocknete Kräuter anbietet. Diese kann man selbst sammeln und trocknen oder fertige Kräuter im Zoofachhandel oder in Kräuterhäusern kaufen. Besonders empfehlenswert sind getrocknete Brennesseln und Löwenzahn (Brennesseln enthalten viel Eisen, Vitamine und Mineralien). Die Tiere bekommen hiervon ein besonders schönes, glänzendes Fell. Beim Sammeln und Transportieren der frischen Kräuter ist darauf zu achten, dass keine Faul- und Gärprozesse entstehen: Nicht bei großer Hitze, nass in luftdichte Plastiktüten stopfen, sondern trocken. locker verpackt und möglichst kühl transportieren.

Hier einige Beispiele für Wildpflanzen, die Meerschweinchen fressen dürfen:

Ackerkratzdistel, Ackerminze, Ackerschachtelhalm, Ackerwinde, Beifuß, Beinwell, Brennenesseln (leicht anwelken lassen oder trocknen, damit sie nicht brennen), Erdbeer-, Brombeer- und Himbeerblätter, Gänseblümchen, Gänsefingerkraut, Getreidepflanzen, Giersch, Gräser, Hirtentäschel, Huflattich, Kälberkropf, Kohldistel, Löwenzahn (mit Wurzel), Luzerne, Melde, Quecke, Rainfarn, Sauerampfer, Schafgarbe, Sonnenblumen (ganze Pflanze), Vogelmiere, Wegerich, wilde Möhre.

Frischfutter

Die täglichen Frischfuttermahlzeiten gehören für Meerschweinchen zu den Höhepunkten des Tages. Sie tragen nicht nur zu einer gesunden, vitaminreichen Ernährung bei, sondern auch zur Lebensfreude der Tiere. Frischfutter kann im Sommer entweder im eigenen Garten geerntet oder auch im Freiland gesammelt werden (nicht an stark befahrenen Straßen, in frisch gedüngten und mit Gift gespritzten Feldern oder von Hunden verunreinigtes Grünfutter sammeln). Im Winter wird man auf das angewiesen sein, was der Obst- und Gemüsehändler zu bieten hat. Das ist nicht immer unproblematisch. Generell kann das gekaufte Gemüse und Obst durch schnelle, optimal gesteuerte Anzucht hohe Nitratwerte enthalten. Auch sind die Grenzwerte für die Belastung mit bestimmten Schadstoffen (Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Konservierungsstoffe usw.) für den Menschen ausgelegt, die im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht sehr viel kleinere Mengen davon aufnehmen als das Meerschweinchen. Das am meisten diskutierte Thema bezieht sich auf Kopfsalat. Dem gekauften Kopfsalat wird eine zu hohe Nitratbelastung nachgesagt. Aber auch Gurken und Spinat können im Winter stark belastet sein. Grundsätzlich ist es besser, sich an Obst und Gemüse der Saison zu halten und anderes nur in kleinen Mengen als Leckerbissen anzubieten. Wer sicher gehen will, kann auch auf die so genannten „Bioprodukte“ zurückgreifen. Besonderen Wert sollte man darauf legen, dass es sich auch wirklich um „Frisch“futter handelt. Vor allem der Gehalt an wichtigem Vitamin C nimmt bei der Lagerung sehr schnell ab.

Hier eine Auswahl, was man seinen Meerschweinchen anbieten kann:

Salate wie z.B. Eisbergsalat, Römersalat, Endivie (nur in kleinen Mengen, da sie Durchfall verursachen können), frischer Spinat, Äpfel, Aprikosen, Bananen, Basilikum, Beerenobst, Birnen, Chicorée (auch roter), Dill, Erdbeeren, Fenchel, Futterrüben, Grünkohl, Brokkoli, Chinakohl, Markstammkohl (kein Rotkohl, Weißkohl, Wirsingkohl), Gurken, gekochte Kartoffeln, Kiwis, Kürbis, (Zucht)löwenzahn, Mais (ganze Pflanze), Mangold, Melone (mit Schale) Mirabellen, Möhren (mit Kraut), Nektarinen, Paprikaschote, Pfirsich, Radieschen (auch die Blätter), Rettichlaub, rote Beete, Sellerie (Knollen- und Stangensellerie), Tomaten, Weintrauben, Zuccini, Zitrusfrüchte (unbehandelte Schale oder geschält).

Bitte nichts in großen Mengen und nicht direkt aus dem Kühlschrank verfüttern, sondern das Futter zimmerwarm werden lassen.

Da Obst und Gemüse oft mehr Feuchtigkeit und weniger Rofaser enthalten als die natürliche Nahrung des Meerschweinchens (vor allem Gras), sollte auch bei der Frischfutterfütterung immer Heu zur Verfügung stehen, damit es nicht zu Verdauungsproblemen kommt. Nach einer Obst- und Gemüsemahlzeit sollte immer noch Platz für ein paar Heuhalme im Magen sein.

Trockenfutter

Es wird in vielen Fertigmischungen angeboten und besteht am besten zum größten Teil aus Pellets (Röllchen aus getrocknetem Grünfutter, die zusätzlich mit Vitaminen -unbedingt Vitamin C-, Mineralien und Spurenelementen angereichert sind) und verschiedenen Leckerbissen. Man sollte darauf achten, dass die Futtermischung keine oder so wenig wie möglich Getreidekörner enthält, da Meerschweinchen ja Weidetiere sind, keine Körnerfresser wie z.B. Hamster und Mäuse. Zuviel Getreide kann zur Verfettung des Tieres führen und sogar zu Diabetes. Etwa 1-2 Esslöffel Trockenfutter pro Tier und Tag sind ausreichend. Bei Tieren, die zum Fettansatz neigen, kann es auch eine Weile weggelassen oder z.B. nur einmal in der Woche gefüttert werden. Zuckehaltige Produkte (z.B. Knabberstangen, Leckerlies, Johgurtdrops, Crispies) sollten nur in geringem Maße (am besten gar nicht) angeboten werden, da sie dem Meerschweinchen eher schaden. Anstatt einer teuer gekauften Knabberstange freut sich ein Meerschweinchen eher über eine Möhre. Für die Versorung mit Fettsäuren bieten sich Leinsamen, Sonnenblumenkerne und Erdnüsse an. Trockenes Brot benagen die Tiere gerne. Es sollte jedoch nicht oder nur sehr selten gefüttert werden und kein schimmeliges, stark gewürztes oder süßes Brot sein. Besser ist es, anstelle von trockenem Brot Zweige zum Nagen anzubieten. Hierfür geeignet sind z.B. Zweige von Haselnuss, allen Obstbäumen, Linden oder Weiden.

So sollte das Futter auf keinen Fall aussehen: 

Erstaunlicherweise schreibt Vitakraft das über sein Futter:

Menü Vital ist eine artgerechte, ausgewogene Mischung für Meerschweinchen, die den Tieren nicht nur lecker schmeckt, sondern ihnen auch alles gibt, was sie für ein gesundes Leben brauchen. Der bewährte Vitalkomplex beugt darüber hinaus Mangelerscheinungen vor und sorgt für einen Extra-Schub an Vitalität. Hochwertiges Getreide, fruchtiger Apfel, köstliches Gemüse wie Kürbis und Rote Beete … Das Futter enthält genau die Zutaten, die sich ein Meerschweinchen auch in der Natur suchen würde, und ist nach zuckerfreier Rezepur hergestellt. Lebenswichtige Vitamine, Mineralien und Spurenelemente helfen bei der optimalen Versorgung der Tiere.

Zusammensetzung:

Getreide 54,5%
Pflanzliche Nebenerzeugnisse
Gemüse (Rote Beete 2,6%, Kürbis, getrocknet
1%)
Früchte (Apfel, getrocknet 1%)
Mineralstoffe
Öle und Fette (Rapsöl 0,2%)
Yucca-Schidigera

Wer obigigen Text gelesen hat wird feststellen, dass sich Meerschweinchen in der Natur kein Körnerfutter suchen würden, da es in ihrer Heimat nicht zur Verfügung steht und da es auf Dauer zu viele Kohlenhydrate enthält. Dieses teure Futter besteht zu mehr als der Hälfte aus Getreide. Und das angepriesene Gemüse und die Äpfel suchen die Schweinchen bei 1 – 2,6 % wohl vergeblich.Wer seine Schweinchen dauerhaft mit solchem Futter füttert riskiert, dass sie an Diabetes erkranken.

Ich füttere eine Mischung aus 70 % Meerschweinchenpellets und 30% Leckereien wie Erbsenflocken, Maisflocken, getr. Gemüse, Kräutern und Gräsern.

Wasser

Die verbreitete Ansicht, dass Meerschweinchen nicht trinken müssen, ist nicht richtig. Das Trinkverhalten ist von Meerschwein zu Meerschein sehr unterschiedlich. Manche trinken regelmäßig, andere nie. Einige trinken monatelang nicht, fangen dann aber wieder damit an. Wie auch beim Futter ist auch das Trinkverhalten eines Meerschweinchens stark davon abhängig, was es in der Kindheit gelernt hat. Da man nicht voraussehen kann, ob und wann ein Meerschweinchen Durst bekommt, sollte auf jeden Fall ständig Wasser zur Verfügung stehen. Am besten eignet sich hierfür eine Trinkflasche mit Kugelventil. Das Wasser sollte möglichst täglich erneuert, die Flasche gelegentlich gründlich gereinigt werden, da sich schnell Algen und Bakterien in ihnen bilden können.

Mineral- und Vitaminversorgung:

Meerschweinchen sind, neben den Primaten, die einzigen Tiere, die wie Menschen auf eine Versorgung mit Vitamin C angewiesen sind. Bei einer ausgewogenen Fütterung sollte eigentlich der Bedarf gedeckt sein. Probleme kann es in den Wintermonaten geben, wenn das Tier das saisonbedingt eingeschränkte Frischfutterangebot nicht mag oder das Tier tragend oder krank ist und eine verstärkte Versorgung braucht. Der Zoofachhandel bietet eine Menge Präperate für die zusätzliche Vitamin- und Mineralstoffversorung an. Bei Vitamin-C-armer Fütterung kann auch Ascorbinsäure (aus der Apotheke oder Drogerie) ins Trinkwasser gegeben werden. Der Tagesbedarf eines Meerschweinchens beträgt durchschnittlich 16 mg/kg Körpergewicht. Dabei muss bedacht werden, dass sich Vitamin C innerhalb weniger Stunden zersetzt und nicht mehr wirksam ist. Auch ist diese Methode wegen des unterschiedlichen Trinkverhaltens der Tiere sehr ineffektiv. Besser ist es zu versuchen, den Vitamin-C-Bedarf über die Nahrung zu decken (Zitrusfrüchte, Kiwis, Paprika, Petersilie -nicht bei trächtigen Tieren- usw.) Wie schon erwähnt, nimmt der Vitamin-C-Gehalt dieser Futtersorten bei Lagerung stark ab. Deshalb sollten sie so frisch wie möglich verfüttert werden. In Ausnahmefällen, wie Krankheit/Nahrungsverweigerung, können dem Meerschweinchen zusätzlich Vitamine mit einer Einwegspritze (ohne Kanüle) direkt ins Maul eingegeben werden.

Einen Salzleckstein und einen Nagerkalkstein benötigen Meerschweinchen nicht.